Gott nahm eine handvoll Südwind, blies hinein und erschuf so das Pferd.

* Aus dem Arabischen *

Nachdem wir also nun stolze Pferdbesitzer waren, zog es Günter nur hinaus in Wald und Flur, während Karin eifrig am Reitplatz arbeitete. Günter machte es Spaß, mit Jantar zu galoppieren wo er nur konnte und er bekam bald das Problem, dass Jantar, kaum war er auf einen schönen Waldweg eingebogen, schon von allein die schnellste Gangart wählte, weil er dies bereits automatisiert hatte. Und Günter ließ ihn gewähren, ja es gefiel ihm sogar, anfangs... So ging es allerdings auch als Karin auf ihn saß und das war nun wirklich nicht vorgesehen. Zu spät erging der gute Rat: „Ein Pferd schnell zu machen ist keine Kunst, viel schwerer ist es, es wieder langsam zu bekommen.“ Nun, das dauerte fast ein Jahr aber dann war es so, wie es gehört: Speedcontrol unter allen Vorraussetzungen. War Jantar anfangs besonders für Karin beim Ausreiten manchmal schwer zu kontrollieren (wenn er seinen Kopf durchsetzen wollte) ist er heute ein sehr gelassenes, zuverlässiges Ausreitpferd.

Während Karin einen Kurs nach dem anderen belegte (Hufkurs, Join-up, Parelli, Honza Blaha), hieß es für Günter: back to the roots, und es ging auch für ihn ab in das Viereck. Karin hatte sich schon zuvor einen Westerntrainer genommen und nun stieß auch Günter dazu. Seine Einsicht: nur auf dem Pferd oben zu bleiben, heißt noch lange nicht reiten können. Und zurück bleiben wollte er ja auch nicht.

Ein gutes Jahr später wurde dann schließlich das WRC (Western Riding Certificate) absolviert. Zwischenzeitlich hatten wir einiges an Reiterfahrung gesammelt. Sei es durch unser Training, durch Aus- und Wanderritte, sei es in Texas oder auf der Working-Ranch in Wyoming. Vor allem in den USA konnten wir uns viel von der Reitweise der Cowboys und Wranglers abschauen. Günter diskutierte darüber mit der Richterin, die selbst auf einer Working-Ranch in Montana war, bei der WRC-Prüfung.

Im Lehrbuch steht: „das Pferd soll sich in natürlicher Selbsthaltung tragen“. Nirgends in den USA haben wir gesehen, dass Pferde derart eingerollt werden, dass sie mit der Nase fast am Boden schleifen oder dass ein Sliding-Stop mit einer Länge von acht Metern durchgeführt worden wäre. Die Richterin meinte darauf: „das ist halt nur für´s Turnier“…

Fazit: Wir wollen auf kein Turnier gehen. Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem Reiten in freier Natur. Allerdings: ganz ohne Training im Viereck, oder manchmal auch im Roundpen, geht es nicht. Teils weil man sich selber wieder korrigieren (lassen) sollte, teils aber auch damit die Pferde wieder „erinnert“ werden. So wie beim Schießen: wer gut Combatschießen will, wird um das Präzisionsschießen nicht herum kommen. Oder wie beim Eiskunstlaufen: erst die Pflicht, dann die Kür. Man könnte noch viele andere Beispiele anführen. Unsere Absicht und unser Ziel ist es jedenfalls, dass die Pferde in freier Natur das Selbe können, wie auf der Reitbahn. Loose Rein, Speedcontrol durch Stimme und/oder Gewichtsverlagerung, Richtungs-änderung durch Körperhaltung/Schenkel/Blick und sicher und gelassen im Trail. Hier und da ein Spin im Viereck ist nur für das Ego und/oder die Galerie.   

Alle Dinge der Schöpfung sind heilig. Jeder Morgen ist heilig, jeder Tag ist heilig,

denn das Licht des Tages wurde von Wankan Tanka, unserem Vater gesandt.

Bedenkt, dass alle Geschöpfe dieser Welt heilig sind und darum entsprechend behandelt werden wollen.
* Hehaka Sapa Sioux *