Wie alles begann...

 

                                     

Wir heißen Karin und Günter Vorwerk und wohnen in Wiener Neustadt, im südlichen Niederösterreich. Unsere Pferde, der tschechische Warmblutwallach „Jantar“ (geboren 1996), und die Quarterstute „Donna Irma“ (geboren 1999), stehen in einer Herde von insgesamt 12 Pferden in Offenstallhaltung auf ca. 8 ha Weide etwa 20 Autominuten entfernt. Alles begann im Sommer 2004 auf der griechischen Insel Samos, wo wir unseren Urlaub mit einem befreundeten Ehepaar verbrachten. Dort wurde die Idee geboren, im Sommer 2005 gemeinsam den Südwesten der USA zu bereisen. Natürlich gehört da ein Ritt durch den Bryce-Canyon dazu meinte Martina, die selbst von Pferden keine Ahnung hatte. Die wörtliche Antwort von Karin war: „Da kannst Du alleine reiten. Mir kommt nichts haariges zwischen die Beine – außer mein Mann!“ Das sollte sich aber bald ändern...

Als der Urlaub näher kam fiel Karin ein, dass sie ja einen Cousin hat, der selbst Pferde züchtet; und anschauen kostet ja nichts. Als Andy, ihr Cousin, von dem Vorhaben „USA“ hörte ließ er nicht locker, bis Karin nach langem Zögern erstmals auf einem seiner Pferde saß. Die Quarterstute „Okie Nu Hunch“, ein ausgebildetes Cuttingpferd das aber nur mehr zur Zucht eingesetzt wird, ließ sich lenken wie mit einem Joystick. Günter war in seiner Jugend „Englisch“ geritten und hatte daher zumindest eine Ahnung von Pferden. So etwas hatte er jedoch noch nicht gesehen und von Westernreiten oder dem Begriff: „Neckrein“ keine Ahnung. So kam es, dass Karin ihre ersten Reitstunden nahm und dann ging es ab in die USA. Der erste Ritt fand im Red-Canyon, der sich nahe dem Bryce-Canyon im Bundesstaat Utah befindet, statt. Am Bryce-Canyon sah uns alles zu „touristisch“ aus, die Pferde machten einen armseligen Eindruck und die Leute standen Schlange für den nächsten Ritt. Also mussten wir ausweichen. Im Red-Canyon wurde ebenfalls nose-on-tail-riding praktiziert, aber wir waren wenigstens „fast“ unter uns und für uns Anfänger reichte das allemal. Interessanter wurde es dann schon in Arizona, wo wir mit Navajo-Guides durch das Monument-Valley ritten. Die ließen uns schon mehr Freiheit und wir dachten jeden Moment, dass uns John Wayne begegnen könnte.

Die Gegend war jedenfalls faszinierend, fast schon unwirklich. Siehe dazu die entsprechenden Buttons in den Fotoalben. Als wir von dieser Reise nach Hause kamen, war der Virus entbrannt. So suchten wir nach Möglichkeiten, wo man sich Pferde ausborgen kann, um aus zu reiten. Nach einigen eher weniger guten Erfahrungen war für Karin bald eines klar: ein eigenes Pferd muss her. Mit dem hatte ich nicht gerechnet! Uns so kam es, dass wir auf „Jantar“ stießen. Er stand in einem Westernreitstall in der Nähe von Wiener Neustadt und gehörte einer tschechischen Westerntrainerin, die mit ihm im Jahr 2004 tschechischer Staatsmeister in der Disziplin Westernriding geworden war. Jetzt hatte niemand Zeit für ihn, da sie mit ihrem Job ausgelastet war und außerdem wollte sie in die USA um dort zu arbeiten.

Dahin hätte sie ihn nicht mitnehmen können und deshalb stand er nun zum Verkauf. Als Günter ihn das erste Mal sah, wusste er nicht was er davon halten sollte. Er hatte sich ein „Westernpferd“ doch etwas anders vorgestellt und den besten Eindruck machte er nicht gerade. Doch als wir seine damalige Besitzerin auf ihn reiten sahen, war uns bald klar: den wollen wir. Seine fliegenden Galoppwechsel sind heute noch klasse und er hat ein ausgesprochen gutes Gemüt und einen super Charakter, auch wenn er schon mal ein rechter „Lausbub“ sein kann. Dabei ist er intelligent, sehr lernfähig und ein echter Schmuser (wenn er will). Alles in allem ist er unser großer Liebling. In den letzten beiden Jahren hat er sich prächtig entwickelt und es geht ihm richtig gut. Er braucht jetzt nicht mehr Turnier gehen sondern dient uns so zu sagen als „gehobenes Freizeitpferd“, auf das „fast“ immer Verlass ist. Fast, denn das Einzige vor dem er sich fürchtet sind kleine Bächlein. Nein, nicht Flüsse, da geht er problemlos rein. Nur kleine Bächlein oder besser auch: Rinnsale. In die will er nicht um die Burg rein steigen. Entweder er springt drüber oder man kann absteigen und ihn führen. Da hat bis jetzt alle Mühe nichts gefruchtet. Wir wissen schon: Pat Parelli, GHP, Honza Blaha…. alles schon gemacht und genug Geld für diverse Kurse ausgegeben. Versteh' ein Pferd...

Weil man mit einem Pferd zu zweit schlecht ausreiten kann, und das mit dem Leihpferd – wie schon erwähnt – mühsam ist, musste also bald ein zweites her. Im Mai 2008 war es dann soweit. Wir kauften die Quarterstute „Donna Irma“. Mit dem Namen hatten wir anfangs Probleme. Wieso heißt ein Quarter „Donna Irma“? Klingt eher nach Haflinger. Bei unserem Urlaub im Sommer 2008 in Wyoming verstanden wir dann, dass das dort ein gängiger Name ist. So hieß zum Beispiel die Tochter von William Cody (Buffalo Bill) Irma. Karin nannte sie dann „Irmschi“ (wie ihre Vorbesitzerin), Günter nannte sie „Donna“ (klingt doch etwas mehr nach Westernpferd) und beide nennen sie „Tussy“ weil sie so ausschaut (schön ist sie ja) und sie auch oft so benimmt. Als beide Pferde nach erstem Kennen lernen in die neue Herde kamen, musste Jantar seine Kämpfe ausfechten und sah dementsprechend  aus. Jeden Tag eine neue Verletzung. Tussy dagegen hatte keine einzige Schramme. Anfangs ließ sie ihn nicht mal alleine fressen und noch heute versteckt sie sich hinter ihm wenn sie Kühe sieht.

Das ist nämlich ihre Phobie. Sonst aber zeigt sie ihm die kalte Schulter und sagt ihm meistens wo´s lang geht. „Tussy“ halt. Apropos Kühe: Donna Irma war ein reines Reitplatzpferd und ist nur sehr selten raus gekommen. Wieso sie sich jedoch derart vor Kühen fürchtet, konnten wir auch von ihrer Vorbesitzerin nicht erfahren. Bis jetzt haben wir noch kein Mittel gefunden, wie wir das ändern könnten, aber wir bauen auf Zeit und zunehmende Erfahrung. Ihr Urgroßvater war „Hollywood Jac 86“ und ist in der AQHA – Hall of Fame verewigt. Er würde sich im Grab umdrehen, wenn er das wüsste. Aber noch mal: versteh' ein Pferd...